suizid-area.net - das one way ticket zur hölle??

Da ich selbst nicht nur User der suizid-area.net (s-a.n) war sondern auch den letzen Admin persönlich kannte und auch ein paar andere User, denke ich darüber urteilen zu können was für ein Forum das war wie die Stimmung dort war und wofür das Forum gut war. Leider ist die Presse nicht nur unwissend, sondern neigt auch dazu Mutmassungen und Unwahrheiten zu verbreiten und als Tatsachen darzustellen. Für die jenigen die an der Wahrheit interessiert sind möchte ich an dieser Stelle ein paar Dinge klarstellen.

 

Verherrlichung von Suizid und dem Tod

Ein beliebter Vorwurf den wir immer wieder lesen dürfen, nicht nur in bezug auf das s-a.n sondern auf alle suizidforen.
Im s-a.n war es so das es verschiedene Bereiche gab. Unter anderem die Methodendisskussion (MD), dort wurde sachlich und auch emotionslos disskutiert wie man seinem Leben ein Ende setzen kann. Die MD war ein wichtiger Teil des Forums. Ein weiterer wichtiger Bereich war "Gründe und Hilfe" mit seinen Unterkategorien. Dort haben wir uns über unsere Probleme austauschen können uns gegenseitig mit Rat (und teilweise auch Tat) beseite stehen können das Leben zu meistern, hürden zu überwinden. Wir hatten Themen über Krankheiten, über Familie und Beziehungen über jedes unserer Probleme konnten wir dort schreiben. Wir konnten Dinge loswerden die wir keinem anderen erzählen wollten oder konnten. Niemals habe ich im s-a.n oder irgendeinem anderen suizidforum oder chat aussagen wie "na dann bring dich doch um" gelesen, immer kamen Hilfestellungen und Ratschläge. Auch alle die schon einige Jahre länger in solchen Foren unterwegs waren (ich habe diesbezüglich mit mehreren Menschen kommuniziert) haben mir diese Erfahrung bestätigt. Jeder wurde mit seinen Problemen ernst genommen und nicht wenige haben durch Aufmunterungen der Forenuser den Mut gefasst sich in professionelle Hilfe zu begeben. Es war wie der Grundsatz des Forums: Jeder hat zwar das Recht sich zu suizidieren, aber jeder Hoffungsfunken wird bestärkt.
Wir haben den Tod nicht als die Party nach dem Leben oder ähnlich beklopptes gesehen, wir wussten um seine Entgültigkeit. Es gab viele Threads zu dem Thema Tod die sehr ernsthaft und philosophisch waren. Es gab Threads über die Probleme die wir unseren Angehörigen bereiten könnten. Wir haben das Thema ernst genommen, auch wenn wir uns gelegentlich an einem gewissen Galgenhumor begeistern konnten. Der Tod ist das Ende von unseren Leiden aber auch von allem anderen und das hat das Forum vermitteln können.

Sinn der Methodendisskussion

Solche disskussionen zu führen steht stark in der Kritik. Aber warum eigentlich? Was ist falsch daran wissen zu wollen wie man es richtig macht? Wie man es zB. verhindert als Schwergeschädigter zu überleben?

Methoden sich das Leben zu nehmen kennt jeder, durch Funk und Fernsehen oder durch reine Logik. Jede Wahrnung vor Gefahren ist doch im Umkehrschluss eine Erklärung wie man sterben kann. Machen wir uns also nichts vor. Wir wissen alle wie wir sterben können, wenn wir es wollen. Die MD macht es uns aber möglich zu unterscheiden was ist wirklich tötlich, was könnte uns nur verletzen. In der MD fanden sich hinweise wie man vermeidet andere durch seinen Suizidversuch zu gefährden. Wer die MD gelesen hat wusste das Methode X wirklich mit seinem Tod endet, denn darauf wurde explizit hingewiesen, grade bei der "Grillmethode" übrigens. Wer also nicht sterben wollte sondern auf sein Leid aufmerksam machen wollte oder im ambivalenten Stadium der Suizidalität war, wusste nun also worauf er sich bei der jeweiligen Methode einlässt

Dieses Zitat stammt aus dem berühmt berüchtigen Thread, den auch Spiegel zitiert hatte, das hier steht allerdings schon auf Seite 1:

"[...] dennoch hoffe ich, dass es sich jeder vorher gut überlegt, ob seine lebenssituation den schritt echt notwendig macht. aus eigener erfahrung kann ich sagen, dass sich die situation auch zum positiven verändern kann und man lieber noch wartet, denn weglaufen tut diese option einem ja nicht..."

Professionelle Hilfe und das Forum

Ich selbst war vor einem dreiviertel Jahr mal wieder soweit zu sterben. Da gab mir unser Admin den Impuls in die Klinik zu gehen, eine andere Userin war mir ein Vorbild und ging selbst in die Klinik und ein dritter hat mir am Telefon noch gesagt was ich einpacken soll. Ohne die drei hätte ich das nicht geschafft und möglicherweise wäre ich nun schon tot.
Wir hatten einen User der nach einer negativen Erfahrung bei einem Arzt, jegliche Behandlung von Profis kategorisch abgelehnt hat. Wir haben das respektiert, aber ihm auch immer wieder vermittelt das es diese Möglichkeit auch für ihn noch gibt und das nur weil ein Arzt scheiße zu ihm war, alle so sind. Und irgendwann hat er sich doch getraut.
Aber ich könnte hier noch etliche Beispiele nennen.
Die Foren die sich als reine Selbsthilfeforen bezeichen, MD ablehnen und für Zensur sind, hätten vielen von uns nicht helfen können. Denn mehr als "geh zum Arzt" können sie uns ja nach ihren eigenen Regeln nicht sagen.
Als Mitglied einer solchen Community wie der des san, sieht man den Leuten zu wie sie sich wieder hochrappeln und manche sogar glücklich werden. Man sieht aber auch wie manche an der Welt zerbrechen und man nichts gutes mehr für sie tun kann als ihren Willen zu akzeptieren, was je näher einem die Person steht auch immer schwerer wird. Aber wir haben es immer als das Recht eines jeden gesehen. Wer keine Hilfsangebote mehr angenommen hat wurde bei uns nicht "zwangsgeholfen". Aber wir haben diese Hilfe angeboten. Unser Admin hat den Usern auch immer angeboten das er jedem der in die Klinik will aber sich nicht taut, dabei hilft.

Die Motivation des Betreibers

 

Die Presse unterstellt ihm gerne eine böse Absicht. Aber das genaue Gegenteil war der Fall. Er selbst fand den Weg ins s-a.n als es ihm schlecht ging. Er fand dort nicht nur die Antworten die er gesucht hat, sondern ein zweites Zuhause. Das Forum hatte ihm viel gegeben und als er die Leitung übernahm wollte er vorallem eins: zurück geben. Er hat immer versucht allen zu helfen und für jeden da zu sein. Er sprach nie von seinem Forum, sondern immer von unserem. Er hat soviel Leid gesehen und immer mitgelitten. Um jeden verstorben User hat er getrauert. Als das Forum down war sagte er einmal zu mir: "Ich muss das wieder hinbekommen, da sind Leute die brauchen das Forum. Wenn ich es nicht schaffe sterben Menschen"


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