Warum Foren, wie das Suizid-Area-Forum wichtig sind:

 

Das Thema „Suizid“ ist in unserer Gesellschaft ein Tabu-Thema.

Menschen, die Suizidgedanken - und erst recht Suizidpläne – äußern, riskieren eine Zwangseinweisung auf die geschlossene Station einer Allgemeinpsychiatrie mit der Begründung sie müssten vor sich selbst geschützt werden. Damit wird ihnen ihr persönliches Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung über ihr Leben UND Sterben abgesprochen. Sie werden gegen ihren Willen zum Leben gezwungen! Das ist um nichts besser als Menschen zum Tod zu zwingen/zu verurteilen, denn in beiden Fällen spricht man ihnen das Recht auf Selbstbestimmung ab.

Die Maßnahmen zum Selbstschutz sind gewaltsam und menschenunwürdig. Suizidale werden ihrer Entscheidungsfreiheit beraubt durch Fixieren und durch Gabe von hohen Dosen an Psychopharmaka, die sie denk- und handlungsunfähig machen. (Ich spreche aus eigener Erfahrung!)

Ein Hilfsangebot für akut Suizidale existiert derzeitig nicht! – nicht einmal dann, wenn diese Menschen sich noch in einem Zwiespalt befinden und noch bereit wären, Hilfen zum Leben anzunehmen. D. h. entscheiden sich solche Menschen dazu, eine Psychotherapie machen zu wollen und versuchen eine Klinik zu finden, die bereit ist, sie aufzunehmen, dann suchen sie vergeblich! Denn in jeder Klinik ist eine gewisse psychische Stabilität Therapievoraussetzung. Besteht diese nicht, gilt der Patient als therapieunfähig, ihm werden Angebote dazu verwehrt und er wird lediglich aufbewahrt – d.h. bewacht, dass er sich nichts antut – und das in einer Allgemeinpsychiatrie, denn keine andere Klinik nimmt Fälle von akuter Suizidalität auf! (Auch hier wiederum spreche ich aus eigener Erfahrung.)

In unserer Gesellschaft gibt es nur auf der einen Seite Einrichtungen, die sterben helfen (die Hospize – wenn derzeitig auch nur im Falle von unheilbaren körperlichen Krankheiten und Alter) und auf der anderen Seite Einrichtungen, die in Richtung Leben helfen bzw. leider auch mit Gewalt zum Leben zwingen.

Es fehlen Orte, wo die Richtung vorher nicht festgelegt ist, sondern wo beide Wege – Lebensweg und Todesweg – einem offen stehen!

Im Suizid-area-Forum ist dies der Fall.

Das Suizid-Area-Forum gibt Menschen eine Möglichkeit, offen und ohne Angst, ihrer Entscheidungsfreiheit beraubt zu werden, über das Thema „Suizid“ und ihre eigenen Gedanken diesbezüglich zu sprechen.

Es gibt den Menschen die Möglichkeit, ein Angebot von Hilfe zum Leben anzunehmen, aber es ist ihre freie Entscheidung, dies anzunehmen oder nicht.

Auch bietet es die Möglichkeit, sich mit dem Thema Tod, Sterben, Suizid und dem eventuellem „Danach“ auseinander zu setzen – sowohl allgemein als auch auf die individuelle Situation bezogen.

So kann der eigene Todeswunsch reflektiert werden und der Gefahr, eines Affektsuizids vorgebeugt werden.

Wenn sich die Betroffenen nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema für den Todesweg entscheiden, dann sollte ihnen auch in dieser Hinsicht Hilfe angeboten werden.

Dafür gibt es die Methodendiskussion, um sich ausführlich zu informieren, welche Methode ein möglichst schmerzfreies und vor allem sicheres Sterben ermöglicht.

So kann die Gefahr verringert werden, dass der Suizidversuch scheitert – oft mit den schlimmsten Konsequenzen bis hin zu einem anschließendem Dahinvegetieren als „Gemüse“ – also in einem Zustand so schwerer körperlicher und geistiger Schädigung, dass er für den Rest seines Daseins auf die Pflege durch andere angewiesen und vielleicht nicht einmal mehr in der Lage ist, selbst über den Zeitpunkt des eigenen Todes entscheiden zu können!

Ein Forum, wie das Suizid-Area-Forum gibt andererseits die Möglichkeit zu einer effektiven Suizidprävention, denn vielen Betroffenen fehlt es einfach an Mitteilungsmöglichkeiten und Verständnis für ihre Situation. Wenn es solche Foren gibt, die in diesem Fall Hilfe anbieten, dann warten die Suizidalen denke ich auch nicht so lange bis der Todeswunsch schon so dringend ist, dass sie an nichts anderes mehr denken können. Viele suchen frühzeitig/rechtzeitig solch ein Forum auf, gerade dadurch motiviert, dass sie am Ende dort auch Hilfe finden würden, schmerzfrei und sicher zu sterben, sofern dies dann ihre persönliche Entscheidung ist. Und sehr wahrscheinlich würde es sehr drastisch die große Anzahl an risikoreichen Suizidversuchen auf eigene Faust vermindern. – vor allem jene, die aus der Verzweifelung heraus aus dem Affekt geschehen.

Ich bin überzeugt davon, dass man viele Menschen mit so einem Angebot wieder auf die Seite des Lebens bringen könnte – alleine dadurch, dass man sie ernst nimmt, ihnen zuhört, das Thema „Suizid“ nicht mehr tabuisiert und ihnen hilft, sich damit gründlich und bewusst auseinander zu setzen.

Bei der bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema würde jeder Betroffene für sich selbst abklären können, wie ernst der eigene Todeswunsch wirklich ist und wie lange er schon besteht und aus welchen Gründen.

Bei vielen liegt doch der Todeswunsch dort begraben, dass die äußeren Umstände so schlecht sind, dass sie einsam und allein sind, dass alle sich von ihnen abwenden und sie einfach keinen Ort haben, an den sie gehen können. Insbesondere bei Jugendlichen denke ich, dass man viel erreichen könnte, in dem man ihnen die Möglichkeit gibt, offen und ohne Angst über alles zu reden.

Würde man die äußeren Umstände verbessern und nach wie vor besteht der Todeswunsch, erst dann kann man sagen, dass es an der ganz persönlichen Leidenssituation liegt, wo dann auch günstige äußere Umstände nicht heraushelfen können.

Man kann noch so sehr bemüht sein, einem Menschen Hilfen zum Leben zu geben, doch damit diesbezüglich eine Chance auf Erfolg besteht, müsste der Betroffene die Bereitschaft haben, diese Hilfen zunächst einmal überhaupt anzunehmen! Ansonsten ist es nur unnötig vergeudete Kraft in die falsche Richtung. Manch einer ist nämlich an dem Punkt angekommen, dass er jegliche Hilfe zum Leben ablehnt und nur noch nach Hilfe zum Tod geradezu schreit! Sollte man so jemanden ganz hilflos und allein stehen lassen oder gar noch mit Gewalt und gegen seinen Willen versuchen, ihm die Hilfen zum Leben aufzuzwingen, nur, weil man selber meint, dass die Situation des Betreffenden nicht ausweglos ist?..Das ist das Schlimmste, was man so jemandem antun könnte!

Es gibt bei jedem Menschen einen Punkt, an dem die Grenze des für ihn noch ertragbaren Leids überschritten ist. Diese Grenze liegt unterschiedlich hoch - ist ganz individuell. Deshalb darf die Situation des Betroffenen auch nicht von außen beurteilt werden, sondern nur der Betroffene selbst kann FÜHLEN, wann diese Grenze überschritten ist.

Es kann keine objektive Diagnose eines Außenstehenden über eine subjektiv gefühlte Situation geben! Jede Einschätzung – und sei sie von einem noch so guten, gebildeten, erfahrenen Arzt – ist doch auch nur wieder eine subjektive Einschätzung!

Empathiefähigkeit ist das, woran es den meisten Menschen gegenüber den Suizidenten. Gegner von Suizidforen sollten mal versuchen, sich in die Situation einer solchen Person hineinzuversetzen und damit ein Stück weit auch in ihre Gefühlslage. Das würde ggf. dazu führen, dass man einsieht, dass die Situation einer Person ausweglos ist – vielleicht auch „nur“ deshalb, weil sie keine Hoffnung mehr hat bezüglich „Leben“ – aber auch das sollte akzeptiert werden und keiner sollte sich anmaßen der betroffenen Person den Vorwurf zu machen, sie würde „ihr Leben wegwerfen wollen“! Manch einer kann sein permanentes Leiden/Dahinvegetieren gar nicht als „Leben“ bezeichnen! Also gibt es insofern auch nichts wegzuwerfen (außer das Leid/ die Qualen – und wer wünscht sich nicht, das los zu sein?) Die Bezeichnung „Leben wegwerfen wollen“ ist eine Beurteilung von außen und entspricht nicht der Sichtweise des Suizidenten bezüglich seines eigenen „Lebens“.

Man ist eher dazu geneigt (wenn überhaupt), das Recht auf Suizidbeihilfe körperlich schwer Kranken zuzusprechen. Dazu möchte ich anmerken:

Eine psychische Krankheit kann einen genauso zerfressen, unerträglich schlimm leiden und dahinsiechen lassen, wie eine physische und oft zerfrisst sie früher oder später den Körper noch zusätzlich! Auch eine psychische Krankheit kann unaufhaltbar zum Tode führen! Somit solllte sowohl ein körperlicher als auch ein seelischer Grund für den Sterbewunsch respektiert werden!

Ich möchte noch einmal auf die Möglichkeit der Suizidprävention durch ein Hilfsangebot in Richtung Tod zu sprechen kommen.

Bei DIGNITAS hat sich gezeigt, dass die Mehrheit der Menschen, die ein Gesuch auf Vorbereitung einer Freitodbegleitung gestellt haben und dafür das so genannte „provisorische grüne Licht“ von einem Arzt bekommen haben, die Suizidbeihilfe dann gar nicht in Anspruch nehmen. Die Gewissheit, dass ein jederzeit gehbarer Notausgang aus ihrem Leben besteht, bestärkt diese Menschen darin, erst einmal auszuprobieren, wie sich das Weiterleben nun anfühlt. Die Entscheidungsfreiheit über ihr Leben UND Sterben, die ihnen damit garantiert ist, gibt ihnen die nötige Kraft, ihr leidvolles Leben noch weiter durchzuhalten!

Die Gefahr, dass die Menschen aus ihrer Verzweifelung heraus, einen Suizidversuch aus dem Affekt heraus machen würden, dürfte hier sehr eingeschränkt bis gar nicht mehr vorhanden sein.

Gleiches kann dafür gelten, wenn Menschen in einem Forum für sich eine humane und sichere Suizidmethode gefunden haben – mithilfe eines Forums, wie das Suizid-area-Forum.

Die Würde des Menschen muss gänzlich gewahrt werden – nicht nur in Bezug auf ein selbstbestimmtes Leben, sondern auch in Bezug auf ein selbstbestimmtes Sterben!

 

by neverendingwar

 

 


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